Ein Geschäft mit Träumen 

In dem im Februar 1952 erstmals gesendeten Hörspiel „Ein Geschäft mit Träumen“ betritt ein fügsamer Angestellter nach Dienstschluss einen Laden, in dem Träume verkauft werden. Drei Träume führt der Verkäufer zur Auswahl vor. Diese müssen jedoch mit Zeit bezahlt werden. Und Zeit ist Mangelware. Der hart arbeitende Angestellte muss schließlich einsehen: „Ich fürchte, ich habe nicht so viel Zeit, ich werde nicht einmal Zeit für einen kleinen Traum haben. […] ich muss arbeiten, und meine Arbeit geht meiner Zeit vor.“

Ganz offensichtlich ist die darin enthaltene Kapitalismuskritik. Bachmann schreibt hier aber auch von sich selbst: In ihren Briefen aus dieser Zeit klagt sie über die enorme Arbeitsbelastung beim Wiener Radiosender Rot-Weiß-Rot. Auch in ihren Gedichten finden sich Motive dieses frühen Hörspiels wieder – eines Werks, das bislang kaum gespielt und künstlerisch unterschätzt wurde.

In den Träumen des schüchternen Protagonisten spiegelt sich seine heimliche Verliebtheit in eine Kollegin. Seine Sehnsüchte und Fantasien – auch in ihren dunkleren Facetten – können nur im Traum erlebt werden. In jene Monate der Entstehung des Hörspiels fällt auch der kritische Höhepunkt von Bachmanns Verliebtheit in Paul Celan: Noch hofft sie auf die Möglichkeit einer Liebesbeziehung, gleichzeitig erfährt sie bereits Zurückweisung – entweder explizit in seinen Briefen oder durch das Ausbleiben seiner Antwort.

Ebenso thematisiert das Hörspiel den Krieg, der noch so nah und gleichzeitig gesellschaftlich verdrängt ist. Bachmann stellt die traumatische Erfahrung und den Wahnsinn einer autoritären Regierung ins Zentrum und verbindet dies mit einer feministischen Kritik an einem Männlichkeitsbild, das sie als narzisstisch, sexistisch und größenwahnsinnig beschreibt. Und das durchaus mit Humor!

Wir verweben in unserer Fassung den Text des Hörspiels mit Ausschnitten aus den Briefen an Paul Celan und Gedichten Ingeborg Bachmanns.