Der gute Gott von Manhattan – Work-in-Progress

„Der gute Gott von Manhattan“ ist Ingeborg Bachmanns letztes Hörspiel, veröffentlicht 1958 und ausgezeichnet mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden.

Die Handlung spielt auf zwei Ebenen: Einerseits gibt es eine Gerichtsverhandlung, die als Rahmenhandlung fungiert. Angeklagt ist ein Mann, der sich selbst „Der gute Gott von Manhattan“ nennt. Dieser wirft mit Bomben auf Liebespaare und hat eine junge amerikanische Studentin namens Jennifer hingerichtet. Unterstützt wurde er dabei von Eichhörnchen, die als seine kleinen Helfer auftreten. 

Die andere Ebene ist die Geschichte des jungen Liebespaares Jan und Jennifer, die in Rückblenden erzählt wird. Sie treffen an der Grand Central Station in Manhattan aufeinander, beide sind auf Durchreise.  Sie verbringen eine Nacht im Erdgeschoss eines billigen Stundenhotels, steigen im Verlauf der Geschichte immer höher – bis in den 57. Stock des Atlantic Hotels. Immer mehr verlieren sie sich dabei in ihrer Liebe. Letztendlich ist auch Jan bereit, sich dieser Liebe ganz hinzugeben: „Ich weiß nichts weiter, nur dass ich hier leben und sterben will mit dir und zu dir reden in einer neuen Sprache.“

Jennifer stirbt durch den Anschlag des „Guten Gott von Manhattan“, Jan entgeht ihm scheinbar zufällig. Gerade dabei, sein Schiffsticket für die Rückfahrt zurückzugeben, landet er in einer Kneipe, erfährt aus dem Radio von der Bombe und kehrt wieder in sein voriges Leben zurück. 

Zwar bleibt am Ende die Anklage aufrecht, der Richter schweigt jedoch und verurteilt den „guten Gott“ nicht, der somit jeglicher Strafe entgeht.

Im Mittelpunkt des Hörspiels steht die Frage, ob eine absolute, sich aufopfernde Liebe in einer kapitalistischen Gesellschaft Bestand haben kann. Bachmann zeigt, dass eine solche, sich selbst genügende Liebe dort keinen Platz hat, da sie keinen Nutzen für die Ordnung der Gesellschaft bringt. Privates Glück steht im Widerspruch zu einer vollständig verwalteten Welt und wird von ihr zunichte gemacht. Jennifer wird als weiblicher Figur in einer patriarchalen Struktur die Rolle der selbstlos, ja sich selbst verleugnenden Liebenden zugewiesen, woran sie letztendlich zugrunde geht.